Warum Orange?
Die Königsfamilie gehört zum Haus Oranien-Nassau. Der Name Oranien kommt vom Fürstentum Orange in Südfrankreich. Wilhelm von Oranien erbte es 1544. Später führte er den Aufstand gegen den spanischen König an und gilt als Vater des Vaterlandes.
Die Farbe Orange kommt also von einem Ortsnamen, nicht von der Frucht. Trotzdem wurde Orange die Farbe des Königshauses und später der ganzen Niederlande. Am Königstag färbt sich das Land orange: Kleidung, Hüte, kleine Kronen, Girlanden und geschminkte Gesichter. Auch bei Spielen der niederländischen Fußballnationalmannschaft ist Orange die Farbe.
Die Flagge mit dem orangen Wimpel
Am Königstag hängt an vielen Häusern die niederländische Flagge: Rot, Weiß und Blau. Darüber hängt oft ein oranger Wimpel, eine lange, schmale Fahne. Der Wimpel gehört zu Tagen des Königshauses. Laut der Flaggenanweisung der Regierung wird er am Königstag und an den Geburtstagen von Königin Máxima, Prinzessin Beatrix und der Prinzessin von Oranien gehisst. An anderen Flaggentagen, etwa am Befreiungstag, hängt die Flagge ohne Wimpel.
Die Flaggenanweisung gilt nur für Gebäude der Regierung. Für alle anderen ist sie eine Richtlinie: Zu Hause entscheidet jeder selbst, wann er die Flagge aufhängt.
Die orange Tompouce
Eine Tompouce ist ein Gebäck aus Blätterteig mit Konditorcreme und einer Schicht rosa Zuckerguss. Rund um den Königstag wird der Guss orange. Die Kaufhauskette HEMA verkauft die Tompouce schon seit 1932 und hat die orange Version zur Ikone gemacht. Inzwischen verkaufen auch Bäcker und Supermärkte in diesen Wochen sehr viele davon. Wie man sie isst, ohne dass die Creme herausquillt, ist eine ewige Diskussion.
Oranjebitter
Oranjebitter ist ein Schnaps mit dem Geschmack von Bitterorangenschalen. Er wird seit Jahrhunderten hergestellt und traditionell bei Festen des Königshauses ausgeschenkt. Am Königstag erhebt man in manchen Dörfern noch ein Gläschen davon auf den König, zum Beispiel nach der Aubade. Wer keinen Alkohol trinkt: Orangenlimonade oder Orangensaft ist mindestens genauso festlich.
Das Wilhelmus
Die niederländische Nationalhymne handelt von Wilhelm von Oranien. Der Text entstand zur Zeit des Aufstands gegen Spanien, zwischen 1568 und 1572. Wer ihn geschrieben hat, ist nicht sicher bekannt. Das Lied hat fünfzehn Strophen; ihre Anfangsbuchstaben ergeben zusammen den Namen WILLEM VAN NASSOV. Meist wird nur die erste Strophe gesungen, manchmal auch die sechste.
Erst am 10. Mai 1932 wurde das Wilhelmus per Kabinettsbeschluss offiziell zur Nationalhymne. Es wird oft die älteste Nationalhymne der Welt genannt. Ganz stimmt das nicht, denn der Text der japanischen Hymne ist älter. Aber es ist sicher eine der ältesten. Am Königstag erklingt es bei der Aubade und beim Besuch der Königsfamilie.
Die Aubade
In vielen Dörfern und Städten beginnt der Königstag mit einer Aubade, einem morgendlichen Ständchen. Schulkinder, eine Blaskapelle und Einwohner versammeln sich am Morgen vor dem Rathaus. Sie singen das Wilhelmus und andere Lieder, und der Bürgermeister hält eine kurze Rede. Danach werden die Flaggen gehisst und das Fest beginnt. Oft organisiert die Oranjevereniging die Aubade.
Oranienvereine
Schon beim ersten Prinzessinnentag 1885 gab es örtliche Komitees, die Feste organisierten. Daraus entstanden in vielen Orten Oranjeverenigingen (Oranienvereine). Es gibt sie bis heute, und sie werden von Ehrenamtlichen getragen. Sie organisieren die Aubade, Kinderspiele, Umzüge und manchmal auch den 4. und 5. Mai. In Lelystad übernimmt das das Oranje Comité Lelystad.
Kinderspiele
Der Königstag war schon immer ein Kinderfest, und die alten Spiele gibt es noch. Bekannte Spiele sind:
- Koekhappen: mit den Händen auf dem Rücken nach einer Scheibe Gewürzkuchen schnappen, die an einer Schnur hängt.
- Zaklopen: Sackhüpfen, mit den Beinen in einem Jutesack um die Wette springen.
- Spijkerpoepen: Ein Nagel hängt an einer Schnur um die Hüfte, und man muss ihn ohne Hände in eine Flasche absenken.
- Sjoelen (eine Art niederländisches Tischshuffleboard) und Blikgooien (Dosenwerfen): Spiele, bei denen auch Oma und Opa mitmachen.
Tipps für einen Tag mit Kindern stehen auf Königstag mit Kindern.
Der Flohmarkt
Am Königstag darf in den meisten Gemeinden jeder ohne Genehmigung auf der Straße verkaufen. Das ist der vrijmarkt, der Flohmarkt. Kinder verkaufen altes Spielzeug, Erwachsene räumen ihren Dachboden auf. In großen Städten dauert der Markt den ganzen Tag, und ganze Straßen sind voll. In Utrecht beginnt der Flohmarkt in der Innenstadt schon in der Königsnacht, um 18 Uhr. Im Amsterdamer Vondelpark dürfen nur Kinder bis einschließlich 16 Jahre verkaufen.
Die Regeln sind in jeder Gemeinde anders. Wie es in Lelystad läuft, steht auf Königsnacht und Flohmarkt.
Königsnacht
Der Abend vor dem Königstag heißt Königsnacht (Koningsnacht). In vielen Städten gibt es Konzerte und Partys in Kneipen und Clubs. Besonders groß ist die Königsnacht in Den Haag und Utrecht. Früher hieß sie Königinnennacht.
Ordensregen und Königsspiele
Rund um den Königstag gibt es noch zwei Traditionen:
- Der lintjesregen („Ordensregen“) am letzten Werktag vor dem Königstag. Bürgermeister im ganzen Land überreichen dann königliche Auszeichnungen an Menschen, die viel für andere getan haben. 2027 ist das Montag, der 26. April.
- Die Koningsspelen (Königsspiele), ein Sporttag für Grundschulen, meist am letzten Freitag vor dem Königstag. Die ersten Koningsspelen fanden am 26. April 2013 statt, in dem Jahr, in dem Willem-Alexander König wurde.
Der Besuch der Königsfamilie
Bis 1980 kam das Land zur Königin: Beim Defilee am Schloss Soestdijk zogen Tausende Menschen an der Freitreppe vorbei. Königin Beatrix drehte das um: Sie besuchte mit ihrer Familie jedes Jahr eine oder zwei Gemeinden. König Willem-Alexander hat das fortgesetzt. Eine Übersicht aller Besuche seit 2014 steht auf Alle Gastgeberstädte. Die ganze Geschichte lesen Sie auf Vom Prinzessinnentag zum Königstag.